Woher kommen die Ideen?

Die einfache Antwort ist: Sie sind überall um uns herum.
Wie so oft mit einfachen Antworten ist das nicht hilfreich, oder?

Wie immer schreibe ich über das Malen und Zeichnen, weil ich mich damit auskenne. Du kannst aber die Anregungen, die ich gebe, auf jedes andere kreative Unterfangen übertragen. Also:

Ich erinnere mich an einen Film, wo es um einen Künstler im Frankreich der 1920er Jahre ging, der in einer Schaffenskrise steckte. Er konnte nach der Trennung von seiner Muse nicht mehr malen. In der Szene, die ich meine, saß er auf einem Platz, trank ein Glas Wein oder einen Kaffee und bemitleidete sich selbst. Als er aufsah, blickte er auf eine Tafel mit abblätternden Plakaten. Er war wie elektrisiert; in diesem Moment hatte er die Idee zu einer Serie von ganz neuen Bildern.

Der Zufall trifft nur einen vorbereiteten Geist. ~ Louis Pasteur

Okay, aber was ist das? Wie bekomme ich einen „vorbereiteten Geist“?
Ich denke, dafür braucht es zwei Dinge: eine Frage und den Blick nach innen.

Eine Frage?

Fragen können alles sein. Technische Fragen stehen oft am Anfang. Zum Beispiel: wie mische ich Farben? Welches Papier nehme ich für was? Wie zeichne ich ein Gesicht?
https://irenepacha.de/kleine-materialkunde-papier/
https://irenepacha.de/jeder-mensch-kann-mischen-lernen/

Dann gibt es die inhaltlichen Fragen: Was interessiert mich? Womit möchte ich mich länger beschäftigen? Woran erkenne ich, dass ein Bild fertig ist?

Manchmal ist es auch so, dass die Frage gar nicht so klar ausformuliert ist. (So wie im obigen Beispiel mit dem Maler im Film.)

Die Frage setzt den Filter, durch den wir die Welt betrachten. Wenn wir uns zum Beispiel mit der Frage beschäftigen, wie viele unterschiedliche Rottöne es gibt, werden uns beim Gang durch die Stadt vor allem Rottöne auffallen: in den Schaufenstern der Modegeschäfte, auf Veranstaltungsplakaten, dem Halsband eines Hundes, die frischen Erdbeeren an den Verkaufsständen.
Dann können wir diese Rottöne „sammeln“, sei es, indem wir eine Notiz in unserer inneren visuellen Bibliothek, ein schnelles Foto mit unserem Handy oder sogar eine Skizze in unser Skizzenbuch machen.

Der Blick nach innen

Wenn wir dann zu Hause vor unserem leeren Blatt Papier sitzen, können wir diese Eindrücke abrufen. Dazu müssen wir „nach innen schauen“: Was habe ich gesehen, gehört? Woran erinnere ich mich? Was für Assoziationen habe ich dazu?
Dazu ein Beispiel aus meiner Arbeit. Ich male und zeichne gerne Blumen. Im Lauf der Jahre habe ich mir so eine „visuelle Bibliothek“ aufgebaut: Ich habe eine Vorstellung davon, wie unterschiedliche Blumen aussehen.

So kann ich dann Blumen neu erfinden:

Oder so:

Hier habe ich mit der Samenkapsel angefangen und mich dann gefragt, wie die Blüte dazu aussehen könnte. Bei diesen Doodles weiß ich vorher nie, was ich machen werde. Ich setze den Stift aufs Papier und wende den Blick nach innen. Dann kommen die Ideen. (Manche sind besser als andere.)

Und ja, ich vermute, dass im Gehirn ähnliche Prozesse ablaufen wie beim Meditieren. Wenn ich gestresst bin, zu viele Aufgaben in kurzer Zeit zu erledigen sind, das Telefon klingelt, klappt das mit dem Blick nach innen nicht so gut.
Also braucht es Ruhe, ein bisschen ungestörte Zeit und: Übung. Wie auch sonst fällt hier kein Meister vom Himmel!

Wie ist das bei dir? Kannst du vom Blick nach außen (alle unsere Aufgaben, Nachrichten, Gesprächsfetzen, Social Media) nach innen umschalten, wahrnehmen, was du alles aufgenommen hast, das sortieren und neu zusammensetzen? Was sind deine inneren Bilder? Kannst du sie aufs Papier bringen?

Schreibe mir gerne in den Kommentaren!

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